«Die Genossenschaft ist die ideale Rechtsform für die ESA»

12. März 2019 agvs-upsa.ch – Die Schweiz ist ein Land der Genossenschaften. Markus Hutter und Giorgio Feitknecht führen die Genossenschaft ESA, die Einkaufsorganisation des Schweizerischen Auto- und Motorfahrzeuggewerbes, als Verwaltungsratspräsident und als CEO. Im Gespräch mit AUTOINSIDE erklären sie, wieso diese Rechtsform für die ESA die richtige ist und bleibt.
 

Eingespieltes Duo: ESA-Verwaltungsratspräsident Markus Hutter (links) und CEO Giorgio Feitknecht im Gespräch mit AUTOINSIDE.


sco/abi. Herr Hutter, Herr Feitknecht, die Zahl der Genossenschaften in der Schweiz ist seit Jahren rückläufig. Wie lange bleibt die ESA dieser Rechtsform noch treu?
Markus Hutter, Verwaltungsratspräsident ESA: Ich bin überzeugt, dass die ESA noch sehr lange eine Genossenschaft bleibt. Die Genossenschaft ist die ideale Gesellschaftsform für eine derart breit gestützte Organisation mit über 7000 Mitinhabern, die Eigenverantwortung im besten Sinne zeigen. Wir wollen nicht zu hoch greifen, aber die Genossenschaft ist DIE Gesellschaftsform der Schweiz, darum heisst sie ja auch Eidgenossenschaft. Dieses genossenschaftliche Staatsverständnis mit der direkten Demokratie haben wir bis heute. Die ESA wurde vor 89 Jahren als Genossenschaft gegründet und es gibt keinen Grund, daran etwas zu ändern. 
Giorgio Feitknecht, CEO ESA: Wenn Sie fragen, wie lange die ESA noch eine Genossenschaft bleibt, dann stelle ich die Gegenfrage: Welchen Grund hätte sie, die Rechtsform zu ändern? Ein Wechsel bringt zum jetzigen Zeitpunkt keinen einzigen Vorteil. Wir würden ein Alleinstellungsmerkmal preisgeben, das in der Zulieferbranche sonst niemand hat. 
Hutter: Dass unsere Kunden gleichzeitig unsere Eigentümer sind, macht die ESA einzigartig. Das ist bei einer Aktiengesellschaft nicht der Fall. Dort sind es meistens fremde Kapitalgeber, die mit ihrem Investment eigene Ziele verfolgen – beispielsweise die Profitmaximierung, was nicht unbedingt im Interesse des operativen Geschäfts ist. Die Rechtsform der Genossenschaft verhindert auch Lohnexzesse, wie wir sie in den letzten Jahren leider auch in der Schweizer Wirtschaft erleben mussten. Unsere Rechtsform zwingt uns zu gesundem Menschenverstand.

Ist ein Kunde, der gleichzeitig Mitinhaber ist, loyaler als der Kunde einer Aktiengesellschaft?
Hutter:
Davon gehen wir aus und das deckt sich mit unseren Erfahrungen. Als Mitinhaber ist der Bezug zur eigenen Firma stärker als zu einer anonymen AG – auf Französisch «Société anonyme». Aber am Ende des Tages sind auch für uns die Leistungen, die Qualität und der Preis der Produkte entscheidend. Der operative Alltag weicht kein Jota vom Alltag in einer Kapitalgesellschaft ab. In unserer Marktbeobachtung, Entscheidungsfindung und Massnahmenplanung funktionieren wir gleich wie eine AG. Wir können nicht Schrott liefern und sagen: «Aber wir sind doch deine ESA!» Wir haben viele Mitinhaber, die nicht ausschliesslich bei der ESA bestellen. Wir müssen uns im Wettbewerb behaupten und spüren das jeden Tag. 

7000 Genossenschafter könnten ja auch 7000 Aktionäre sein.
Hutter:
Es gibt einen ganz grossen Unterschied. Wenn Sie Mehrheitsaktionäre haben – und wir haben zwei sehr grosse Garagisten in der Schweiz –, dann haben diese viel mehr zu sagen als der kleine Garagenunternehmer auf dem Land. Bei uns nicht: Eine Genossenschaft ist auch von grösseren Mitinhabern unabhängig, denn jeder Genossenschafter hat nur eine Stimme. 

Aber wie weit geht die Demokratie bei der ESA? Das einzelne Mitglied hat ja dann doch nichts zu sagen.
Hutter:
Dem muss ich widersprechen. An der GV kann jeder Genossenschafter aufstehen und uns die Meinung geigen, wenn ihm etwas nicht passt. Unser Vorstand besteht zudem aus 40 bekannten Garagisten und Carrossiers aus den Regionen. Wenn ein einzelnes Mitglied eine Frage hat, dann wendet es sich an den Vorstand aus seiner Region. Auch unser CEO Giorgio Feitknecht hat sehr viel Kontakt zu einzelnen Mitgliedern. Dieser Austausch ist intensiv.
Feitknecht: Wir könnten das auch grundsätzlicher betrachten und uns die Frage stellen, ob die direkte Demokratie sinnvoll ist in Anbetracht der Tatsache, dass das Volk fast immer gleich entscheidet wie der Bundesrat. Die Antwort darauf ist klar Ja! Denn wenn es einmal nicht stimmt, kann das Volk eingreifen. Bei uns können die Mitinhaber intervenieren, bremsen oder eine Neuausrichtung verlangen.

Herr Feitknecht, wie viel Zeit wenden Sie pro Woche mit E-Mails oder Telefonanrufen Ihrer Mitinhaber auf?
Feitknecht:
Das ist schwierig zu quantifizieren. Ich kann aber sagen, dass ich 2018 mehr als 100 Kundenbesuche gemacht habe. Ich bin an vielen Branchenevents, wo ich Kunden treffe. Das ist wichtig, weil sie ja unsere Mitinhaber sind. Wenn ich diese sehe, treffe ich beide Gruppen: meine obersten Patrons und meine Kunden. Deren Rückmeldungen sind sehr wertvoll. Auch die Geschäftsführer in unseren Regionen sind enorm frontorientiert. Diese Nähe ist uns wichtig.

Das ganze Interview lesen Sie in der März-Ausgabe des AUTOINSIDE.
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