«Das absolut Zentrale ist die CO2-Minderung»

14. Januar 2020 agvs-upsa.ch – In einer praxisnahen Paneldiskussion unterhielten sich Jürg Röthlisberger, Direktor Bundesamt für Strassen, Thierry Burkart, FDP-Ständerat, und Christian Bach, Abteilungsleiter Fahrzeugantriebssysteme bei der Empa, über die Mobilität der Zukunft, die Rolle des Garagisten und die Entwicklung der Antriebstechnologien.

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jas. Christian Bach, Abteilungsleiter Fahrzeugantriebssysteme bei der Empa, konstatierte, dass es viele Veränderungen im Technikbereich gibt, welche die Mobilität der Zukunft beeinflussen werden. Nicht nur bei den Antrieben, sondern auch bezüglich der Automatisierung und der ganzen Sensorik. Er hält aber fest: «Die CO2-Abgaben sind ganz klar der Treiber für die Industrie. Und wer nicht spurt, der muss es mit dem Portemonnaie ausgleichen.»
 
Jürg Röthlisberger, Direktor Bundesamt für Strassen, windet dem Individualverkehr in der Schweiz ein Kränzchen: «Der motorisierte Individualverkehr hat seine Stärken, ob im emotionalen oder rationalen Bereich. Er deckt seine Kosten zu 100 Prozent – er ist somit extrem erfolgreich.» Röthlisberger machte aber auch deutlich, dass es wenig bringt, effiziente Autos auf der Strasse zu haben, aber dafür zu viel Staus. Und er konstatierte: «Es ist entscheidend, die Wegketten besser abzustimmen. Man will zwar keine Autos in den Städten, aber die besten Parkings gibt es in den Zentren – das geht nicht auf.»
 
FDP-Ständerat Thierry Burkart gab zu bedenken, dass unser Bevölkerungs- und Wohlstandswachstum Treiber für das Mobilitätswachstum sind und man daher vor allem der multimodalen Mobilität eine Chance geben muss: «Den klassischen Autofahrer oder ÖV-Nutzer gibt es nicht mehr. Daher ist eine bessere Abstimmung zwischen den einzelnen Mobilitätsarten enorm wichtig.» Nicht zu vergessen sei, dass ja nicht nur die Menschen auf Mobilität angewiesen sind, sondern auch die Güter, die in die Städte gebracht werden müssten. Und es werden nicht so rasch Karawanen von autonomen Lieferfahrzeugen sein, wie Jürg Röthlisberger klar machte. «Wir schauen uns daher auch nicht einfach Road-, sondern Mobility-Pricing an. Wir haben es am Fallbeispiel in Zug durchgerechnet. Es funktioniert, aber es ist natürlich gesellschaftlich sehr umstritten, da es dabei auch Verlierer geben wird.»
 
Thierry Burkart stellte danach klar, dass es nicht einfach um ein alternatives Finanzierungsmodell für den Strassenverkehr und somit Kostenwahrheit, sondern auch das Lenken der Mobilität gehe. Der FDP-Ständerat hat jedoch Zweifel, dass Mobility-Pricing der richtige Weg ist: «Eine Verhaltensänderung setzt erst bei sehr hohen Preisveränderungen ein. Daher bin ich sehr skeptisch.» Für den Politiker ist das Auto immer noch Sinnbild für Individualität und Wohlstand, nur die Argumente gegen das Auto hätten sich von Gestank und Lärm klar hin zu den Bereichen Umwelt und Verbrauch verschoben. Wichtig im Hinblick auf den eingeschlagenen CO2-Absenkungspfad des ganzen Verkehrssektors ist jedoch nicht nur der CO2-Ausstoss auf der Strasse, sondern die Betrachtung des ganzen Lebenszyklus. «Ein sehr interessanter Ansatz, wenn man auch Entsorgung und Herstellung eines Fahrzeuges beachtet. Von der Wiege bis zur Verschrottung. Da könnte der Verbrennungsmotor plötzlich wieder besser dastehen», erläutert Burkart.

Dem pflichtet Christan Bach von der Empa, bei: «Diese Betrachtung ist nicht nur interessant, sie ist schlicht notwendig. Sonst verschieben wir die Emissionen nur vom In- ins Ausland, oder von einem Industriesektor in den anderen. Wir brauchen diese gesamtheitliche Sicht. Auch die E-Mobilität hat schmutzige Seiten. Das absolut Zentrale ist die CO2-Minderung. Wenn wir nur das Antriebskonzept wechseln, haben wir nichts gewonnen.» Es sei entscheidend, woher die Energie für die Mobilität komme, denn nur wenn die gesamten CO2-Emissionen betrachtet werden, würden auch die richtigen Akzente gesetzt.» Der Forscher gab zu bedenken, dass die Autobranche schliesslich die innovativste Industrie sei und auch durch den starken Wettbewerb angetrieben werde und so den Wandel sicher schaffe. Da es auf lange Sicht sicherlich auch eine Koexistenz der Antriebe geben werde.
 
Jürg Röthlisberger, Direktor Bundesamt für Strassen, verriet abschliessend: «Wenn ich mit den europäischen Kollegen zusammensitze, dann sehe ich einfach, dass wir in der Schweiz immer volle Geldtöpfe haben, aber uns irgendwie nicht für einzelne Massnahmen entscheiden können oder wollen. In Europa ist es genau umgekehrt, die haben meist viele gute Ideen für eine Verbesserung, aber dort fehlt es dann jeweils am Geld.» Das einzig stetige in unserer Zeit sei der Wandel, aber man dürfe nicht vergessen, dass Veränderung auf Aufbruch heisse und neue Chancen biete.
 
Die ausführliche Berichterstattung zum «Tag der Schweizer Garagisten 2020» lesen Sie im AUTOINSIDE 2/2020.



Alles über den «Tag der Schweizer Garagisten» 2020
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