Auto via Mausklick verkaufen? Nicht einfach

22. Februar 2021 agvs-upsa.ch – Onlinehändlern hat die Corona-Pandemie teilweise Rekordumsätze beschert. Ein Auto übers Internet kaufen, damit tun sich Kunden jedoch schwer.  

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Quelle: Istock

cst. Mit einem Klick zum gewünschten Buch, Pulli oder Menü: In Zeiten von Corona erlebt der Online-Handel einen regelrechten Boom. Was aber für Amazon, Zalando oder Essenslieferdienste gilt, davon ist der Autokauf noch weit entfernt. «Im Moment klickt noch niemand bei einem 80'000 Euro teuren, gebrauchten Audi auf den Kaufenknopf», sagt Heinz-Dieter Tiemeyer von der deutschen Autohandelsgruppe Tiemeyer in einer «Clubhouse»-Runde des Fachmagazins «Kfz-Betrieb», die sich um E-Commerce im Autohandel dreht. 

Doch warum werden nicht viel mehr Auto komplett online gekauft? Lassen sich doch Fahrzeuge durch hochwertige Fotografien und 360-Grad-Ansichten im Internet von ihrer besten Seite zeigen. «Für den Einzelkunden brauchen wir den Showroom auf jeden Fall noch lange», so Tiemeyer. Autos seien sehr beratungsintensive Produkte. Dies unterstreichen auch der AGVS, Auto-Schweiz und der Schweizerische Gewerbeverband sgv in ihrer Forderung nach der Öffnung der Showrooms: «Ein Fahrzeugkauf bedarf einer persönlichen Beratung, Bedarfsabklärung und Vorführung.» Hinzu komme, dass das oft anfallende Eintauschgeschäft online nicht seriös durchgeführt werden könne.

Trotz aller Erschwernis wird E-Commerce im Fahrzeughandel an Bedeutung gewinnen. So sagte der zurücktretende Amag-CEO Morten Hannesbo 2020 bei der Besichtigung des neuen Hauptsitzes in Cham, dass sich ein Drittel des Handels ins Internet verschieben wird. Was das für Garagisten bedeutet, zeigt Julia Riethmüller, Verkaufsleiterin bei Beresa, einem der grössten Mercedes-Benz-Partner in Deutschland, in der «Clubhouse»-Runde von «Kfz-Betrieb» auf: Unter den derzeit geltenden Beschränkungen werde bereits deutlich, in welche Richtung sich die Tätigkeit der Verkaufsberater künftig wandeln werde. Telefonakquise und Videoberatung seien jetzt die Schwerpunktthemen. «Das ist eine andere Art des Verkaufens, vor allem für die Ladenverkäufer.» Künftig würden Autoverkäufer im Privatkundenbereich eher klassische Berater sein, die umfassende Mobilitätsangebote vermarkten. Heinz-Dieter Tiemeyer fügt hinzu, dass Verkaufsberater auch morgen noch beraten werden, «denn die digitale Customer Journey muss – zumindest noch einige Jahre lang – kompetent begleitet werden».

Im Wissen, dass die Beratung der Kundschaft und der Verkauf von Fahrzeugen selbst im Onlinezeitalter in den Garagenbetrieben einen wichtigen Stellwert einnimmt, widmet sich der AGVS intensiv der Mobilitätsberatung: Das Thema wurde als ein Schwerpunkt für die künftige Ausbildung in der Strategie zur AGVS-Berufsbildung 2030 festgelegt. Ab 2022 wird es im Automobilverkauf neu eine Grundbildung geben. Damit soll den steigenden Anforderungen an die Fachkräfte im Sales-Bereich Rechnung getragen werden. Einerseits wird der Verkauf durch die Komplexität der Produkte wie neue Antriebstechnologien beratungsintensiver, andererseits werden bestehende Dienstleistung mit neuen Mobilitätsdienstleistungen erweitert. 
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